Mit dem Kamel durch die Feuerberge
Diese Urlandschaft Lanzarotes liegt im Süden der Insel und ist das Ergebnis eines neunzehntägigen Vulkanausbruchs vor 277 Jahren und ist heute das Herz des Nationalparks „Parque Nacional de Tomanfaya“, nach einem der verschwunden Orte benannt.
Den Weg in diese heiße Urlandschaft zeigen kleine Feuerteufel am Straßenrand, denn
Mitten durch den Park, mit seinen über dreihundert kleinen und großen Kratern, führt eine 14 Kilometer lange schwarze Asphaltstraße, die man aber nicht mit dem eigenen Wagen, sondern nur mit einem Bus befahren kann. Dieser wartet am 300 Meter hohen Islote de Hilario, 3 Kilometer vom Eingang entfernt.
Hier oben in der kühlen Luft „kocht“ ein paar Zentimeter unter der Erdoberfläche der Untergrund, und es ist schon in zehn Zentimeter Tiefe 140°C und in vierzig Zentimeter 400°C heiß.
Mit einem Spektakel der besonderen Art zeigen hier Nationalparkhüter die Wirkung der Hitze im Berg. Ein Reisigball, in ein Loch geworfen, fängt sofort Feuer und aus einem, in den Boden getriebenen Rohr, zischt mit voller Wucht nach genau drei Sekunden, nachdem man einen Eimer Wasser hineingegossen hat, ein hoher Geysir. Auf diesem extrem heißen Vulkankegel befindet sich auch das „El Diabolo“ ein Aus-flugslokal mit Panoramarestaurant und ein Souvenirgeschäft.
Die Attraktion des Restaurants, hier werden über einem acht Meter tiefen Schacht, mit der natürlich aufsteigenden Hitze von 400°C, Steaks und andere Köstlichkeiten auf einem Rost grillt. Bei einem guten Essen und einem hiesigen Wein können Blick und Gedanken vom Panoramarestaurant aus weit über die Kraterlandschaft, bis hin zum Meer schweifen. Manche mögen aber auch beim Anblick von schön aufgereihten, bleichen Kamel-knochen vor einem ausgetrockneten Feigenbaum in der Mitte des Restaurants, an die Vergänglichkeit des Lebens denken. Es sollen Überreste aus der Zeit des Einsiedlers Hilario sein, der sich an dieser Stelle nur von der Milch seines Kamels ernährt haben soll und nach dem dieser Berg benannt wurde. Wer schon früh morgens am Rande des Nationalsparks unterwegs ist, mag in der Nähe von Yaize seinen Augen nicht trauen.
Wie eine Fata Morgana ziehen gemächlich Kamele wie an einer Kette aufgereiht durch die Lavawüste. Ihr Weg führt von Yaiza, dem Kameltreiberdorf, zur „Dromedarstation“ am Fuße des Montanas del Fuego. Hier warten tagsüber bis zu einhundert Dromedare, in Karawanen von vier bis acht Tie-re, wie auf einer Perlenkette hinter und nebeneinander auf die Touristen, die von der gesamten Insel hierher gebracht werden, denn ein Ritt auf einem Kamel durch die Feu-erberge gehört zum Ritual eines Lanzarote Aufenthalts. Ungeduldig und vor sich herschimpfend, helfen die Kameltreiber, ein Glück, dass man ihre Sprache nicht versteht, den oft unbeholfenen Reisenden in die rechts und links an den Tieren angebrachten hölzernen Tragesitze, wobei das Gewicht genau austariert sein muss, also dünn zu dünn und dick zu dick. Ist eine „Karawane“ besetzt macht sie sich wiegenden Schrittes auf ausgetretenem Pfad am Hang des Berges entlang auf den Weg. Ihr Platz wird sofort von einer wartenden Karawane eingenommen, hinter der schon die nächsten Tiere warten, denn genauso schnell wie be- wird nach einem Ritt auch entladen. So ziehen langsam Karawane um Karawane hintereinander in die Mondlandschaft der Feuerberge, um nach etwa zehn bis fünfzehn Minuten wieder zum Ausgangspunkt zu-rückzukehren. Trotz diesem „Ausrutscher“ des Tourismus hat diese Landschaft etwas. Ist es die Kargheit der Landschaft, die Leuchtkraft der Vulkane, das Spiel von Licht und Farbe, oder die unvergleichliche Ruhe die schon seit Jahrhunderten Reisende und vor allem Künstler in ihren Bann zieht. Vielleicht von allem etwas, denn hier findet man den Ursprung der Erde.
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